Kapitel
– Persönliche Grenzen -

Grenzen ziehen und klären

Grenzen ziehen und klären

Herzlich willkommen zum Thema persönliche Grenzen ziehen und halten

Einfach jeder hat eine Vorstellung, was in seinem Leben welchen Platz haben soll. Und doch fällt es nicht leicht, genau das sichtbar zu machen und umzusetzen. In diesem Kapitel werden wir genau das üben, so dass du am Ende deine Werte und Grenzen klar benennen kannst.

FAQ, persönliche Grenzen ziehen und klären

Was bedeuten persönliche Grenzen für mein Selbstvertrauen?

Eigene Grenzen zeigen, was dir wichtig ist und wie du behandelt werden möchtest. Wer seine Grenzen kennt und vertreten kann, erlebt sich als selbstwirksam und handlungsfähig.

Warum fällt es mir schwer, meine Grenzen zu erkennen und zu setzen?

Oft gewöhnt man sich an kleine Grenzverletzungen und stellt die eigenen Bedürfnisse immer weiter zurück. Dadurch kann das Gefühl entstehen, ohnehin nichts verändern zu können.

Wie hängen persönliche Grenzen und Selbstwirksamkeit zusammen?

Wer seine Bedürfnisse ausdrückt und seine Grenzen erfolgreich vertritt, erlebt: Ich kann etwas bewirken. Genau diese Erfahrung stärkt die eigene Selbstwirksamkeit.

Warum sind Grenzen in Beziehungen nicht immer gleich?

Nähe und Distanz verändern den persönlichen Wirkungsraum. Deshalb können Grenzen gegenüber einem Partner anders aussehen als gegenüber Freunden oder Arbeitskollegen.

Kann ich meine Grenzen verändern und trotzdem selbstsicher bleiben?

Ja. Grenzen sind keine unveränderlichen Mauern, sondern können je nach Situation und Beziehung angepasst werden. Wer „Ja“ gesagt hat, darf später auch „Nein“ sagen.

Inhalte des Kapitels

In diesem Kapitel erfährst du

Was bedeuten persönliche Grenzen für Selbstvertrauen, Selbstachtung und gesunde Beziehungen.
Du lernst,
- wie Grenzen entstehen
- was sie bedeuten
- wodurch sie häufig verletzt werden
- welche Rolle Werte, Nähe und Distanz dabei spielen.

In dieser Challenge übst du

Die bewusste Wahrnehmung deiner eigenen Grenzen,
sie klar zu kommunizieren und Schritt für Schritt selbstbewusst zu vertreten

In kleinen alltagstauglichen Übungen, Reflexionen und einer praktischen Abschlussaufgabe wirst du deine Grenzen kennenlernen und selbstsicher integrieren.

Am Ende ist klar, wofür Grenzen notwendig sind, man sie verschieben kann und wie sie die Persönlichkeit umschreiben

Persönliche Grenzen kennen, ziehen und klären

Grenzen sind wie unsichtbare Linien.

Oft fällt es schwer, seine Grenzen zu erkennen, klar zu kommunizieren und durchzusetzen
Häufig aus Angst vor Ablehnung, Konflikten oder Verlusten.

Zu erst sind es die kleinen Dinge, die man durchgehen lässt. Man gewöhnt sich dran.

Im Volksmund gibt es die Aussage: „Man kann sich an alles gewöhnen“.

Nur "gesund" ist es nicht und die Gewöhnung wirkt wie eine Selbstverletzung.
Hast du dieses Muster über eine lange Zeit gelebt, wird es scheinbar selbstverständlich.

Die Anderen überschreiten die Grenzen und nehmen keinerlei Notiz davon.

Manchmal kann es sich anfühlen wie, als wenn man sie eingeladen hat, die Grenzen zu misachten.
Es geht das Gefühl verloren, für sich selbst wirksam zu sein.
Die Selbstzweifel mehren sich, mit jedem erfolglosen Versuch die Grenzen ziehen zu können.
Man fühlt sich nicht „gesund“ handlungsfähig.

Diese Selbstzweifel sind häufig sehr früh gesät worden.
In der Kindheit meist unbewusst und ungewollt.
Es reicht ein schwaches Elternteil, dass seine Vater/Mutter Rolle nicht richtig einnehmen kann,
eine belastende Trennung der Eltern, wenig Zuneigung oder ein hoher Leistungsanspruch.

Dazu kommt eine Kinderseele - die vielleicht etwas unsicherer oder sensibler ist.

Schon ist der Selbstzweifel geboren und die Grenzen des Selbst werden undeutlich.

Das Kind, das nach Aufmerksamkeit und Anerkennung sucht, muss Leistungen erbringen.

Häufig muss es sich verbiegen und die eigenen Interessen zurücknehmen, um wenigstens ein Mindestmaß an Anerkennung zu bekommen.
Es verliert die eigenen Wünsche aus dem Blick und "NEIN" sagen fällt schwer

Es bekommt kein Gefühl für Selbstwirksamkeit, da es die eigenen Bedürfnisse nicht darstellen und seine Grenzen ziehen kann.

Selbstwirksamkeit, ist die Fähigkeit aus der eigenen Mitte heraus Entscheidungen treffen und sie erfolgreich umsetzen zu können.

Wer sich selbstwirksam fühlt, ist handlungsfähig in seinem eigenen Sinne.

Selbstwirksamkeit ist ein Schutz für die persönliche Integrität und eine unverzichtbare Kompetenz, um Selbstvertrauen zu entwickeln und zu festigen.

Grenzen setzen, verteidigen und öffnen

Jeder Mensch sollte seine Grenzen jederzeit selbstwirksam bestimmen.

Stop-Nähe
Übergriffe begrenzen.

Ein "NEIN" ist für viele sehr schwer auszusprechen!
Aber nur so kann man sich selbst schützen und lernen seine eigenen Grenzen zu spüren.
Nur wer klar und nachhaltig sich abgrenzen kann, kann Nähe einfach zu lassen

Nähe zulassen
Nähe zulassen.

Beziehungen verändern sich. Manchmal fühlt man spontan mehr oder weniger Nähe.
Die Nähe mit dem Menschen / Partner schwankt. Selbstwirksam ist jemand dann, wenn er die eigenen Grenzen - wie auch Wünsche deutlich kommunizieren kann

Nähe und Distanz

Die Balance zwischen Nähe und Distanz gehört zu den zentralen Herausforderungen in menschlichen Beziehungen. Zu viel Nähe kann als erdrückend oder vereinnahmend empfunden werden, während zu große Distanz Isolation und Einsamkeit erzeugen kann. Das Dilemma besteht oft darin, dass Menschen entweder:

Dieses Spannungsfeld wird oft durch individuelle Prägungen und Erfahrungen beeinflusst.
Vertrauen, Selbstwertgefühl, verletzende Erfahrungen formen die Muster im Umgang mit Nähe und Distanz.

Typische Fragestellungen:

(Die Frage von Nähe und Distanz sowie Dauer und Wechsel ist in dem Buch "Grundformen der Angst" von Riemann eindrücklich erklärt)

Woraus ergeben sich Grenzen

Wenn wir ganz früh in die Kindheit zurückkehren, dann gibt es keine persönlichen Grenzen.

Das Baby weiß nicht, dass es ein eigenständiges Wesen ist.
Es ist symbiotischen verbunden mit der Mutter. Dabei entwickelt sich ein Grundvertrauen.

Nach dieser Phase beginnt die Abgrenzung und Entwicklung eigener Werte Das Kind entwickelt seine Stück für Stück seine Eigenständigkeit und Identität.

Das ist aber kein bewusster Vorgang, bei dem die Lebenswerte verinnerlicht werden.
Die Werte des Lebens werden nebenbei vom Unterbewussten "aufgesogen" und verankert

Werte, die die Persönlichkeit ausmachen

Substantielle Werte, die den inneren Kern der Persönlichkeit ausmachen.

Neben diesen Werten gibt viele andere Werte mit eigenen persönlichen Inhalten:

Selbstermittlung der Wichtigkeit der eigenen Werte auf einer Skala von 1 bis 10.
Starte mit einer Selbsteinschätzung und wenn möglich nutze dann eine Fremdeinschätzung.
Meist liegt die Realität zwischen diesen beiden Einschätzungen

Tagebucheintrag

Notiere in deinem Tagebuch die Werte, die dir wichtig sind und vermerke die Prioritäten. Es ist immer so, dass man sich zwischen mehreren Werten schwer entscheiden kann, welcher wertvoller erscheint.
Beschreibe die Werte besonders, bei denen du immer wieder das Gefühl hast, enttäuscht zu werden.

Was soll bei deiner Grenzsetzung geübt werden ?

Hier sind einige Frage, die die Situation klarer werden lassen.

  1. Wo sage ich oft „Ja“, obwohl ich „Nein“ sagen möchte?
  2. In welchen Situationen fühle ich mich von anderen überfordert oder ausgenutzt?
  3. Welche Grenzen möchte ich gegenüber bestimmten Personen oder in bestimmten Situationen setzen?
  4. Wie oft nehme ich mir Zeit für mich selbst, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben?
  5. Was hindert mich daran, meine Grenzen klar zu kommunizieren?
  6. Welche meiner persönlichen Werte möchte ich in Beziehungen oder im Alltag stärker vertreten?
  7. Welche Konsequenzen fürchte ich, wenn ich meine Grenzen setze?
  8. Wann habe ich das letzte Mal eine Grenze gesetzt, und wie hat es sich angefühlt?
  9. Wie erkenne ich, wenn meine Grenzen von anderen überschritten werden?
  10. Welche Grenzverletzungen habe ich bisher akzeptiert, obwohl sie mir geschadet haben?

Wähle dir jetzt das Gebiet – die Freiräume - heraus, in dem du deine Grenzen in den nächsten Tagen der Challenge bessser ziehen und klären möchtest.

Nimm möglichst Aufgaben, die du gut bewerkstelligen kannst.
Nimm dir etwas einfaches vor, was du gesichert in den nächsten Tagen mindestens zwei Mal ausprobieren kannst.

Beispiele für klare Grenzen und Positionierung

Du bist jetzt an einem wichtigen Punkt der Bildung des Selbst und damit des Selbstvertrauens.

Nachdem du nun deine Grenzen bzw deine Freiräume beschrieben hast, nutze 5 Minuten für eine einfache Übung zur Vertiefung.

Glaubenssätze für klare Grenzen

Tagebucheintrag

Wähle aus den nächsten Glaubenssätzen die heraus, die dir für dich sinnvoll erscheinen und notiere sie in deinem Tagebuch. Diese Glaubenssätze sollen dich durch die Challenge begleiten und in deinem Vorhaben stärken.

  1. Ich kann klare Grenzen setzen, ohne Angst vor Ablehnung zu haben.
  2. Ich fühle mich wohl dabei, anderen mitzuteilen, was ich brauche und was nicht.
  3. Es ist für mich selbstverständlich, „Nein“ zu sagen, wenn etwas gegen meine Werte geht.
  4. Ich vertraue darauf, dass meine Grenzen respektiert werden, wenn ich sie klar kommuniziere.
  5. Ich nehme mich selbst genauso ernst wie die Bedürfnisse anderer.
  6. Meine Grenzen sind ein Ausdruck von Selbstfürsorge, nicht von Egoismus.
  7. Ich bin bereit, Beziehungen zu überdenken, wenn meine Grenzen missachtet werden.
  8. Ich erkenne, dass meine Grenzen nicht in Stein gemeißelt sind und sich verändern dürfen.
  9. Es fällt mir leicht, Grenzen zu setzen, auch in schwierigen Situationen.
  10. Ich weiß, dass meine Grenzen ein natürlicher Teil von gesunden Beziehungen sind.

Eine Übung für ein starkes inneres Bild

Menschen erleben ihr Leben nach einem inneren Muster. Ja, wir können uns bewusst entscheiden etwas bestimmtes zu erleben. Aber das grundsätzliche Muster liegt begründet in den verankerten Glaubenssätzen.
Um also auch bei den Grenzen etwas neues zu erleben, beziehungsweise sie neu mit Leben zu füllen, hilft es ein inneres Bild aufzubauen. In diesem inneren Bild muss es klar werden, wie du dich mit deiner neuen Klarheit verhalten wirst.

Stell dir eine Zukunft vor, bei der du deine Grenzen schützt oder öffnest.
- Du antwortest klar auf eine anmaßende Aussage
- Du kannst eine Kritik loslassen, musst dich nicht verteidigen
- Du kannst deinen Wunsch nach Nähe und Miteinander einfach äußern

Male dir dein Zukunftsbild aus und gib dir Zeit sowie Ruhe dafür.

Diese Übung braucht viel Geduld und sie muss immer wieder wiederholt werden. Es ist wie Tagträumen. Ein kleiner Film, der vor dem inneren Auge abläuft. Nimm diese Übung in deine nächste 6 Tage Challenge auf

Tägliche Übung (Tag 1-6): Grenzen ziehen und klären

Tagebucheintrag

Du hast Werte und Grenzen definiert, die du in den nächsten Tagen besser wahrnehmen und abgrenzen willst. Dabei wird es sehr wahrscheinlich passieren, dass du bemerkst wie andere Grenzen von dir nicht beachtet werden. Deshalb siehe diese Übung als flexible Übung an und reflektiere täglich.
Wie in all diesen Übungen für das Selbstvertrauen geht es nicht um Perfektion, sondern um das Schritt für Schritt Fortschreiten

  1. Täglicher Start
    • Welche Grenze werde ich heute setzen und klären
    • Mache deine Übung für das innere Bild aus dem Tagebuch
  2. Teste deine Grenze:
    • Teste deine Grenzen in deinem Alltag und beobachte die Reaktionen.
      - deine Reaktion und die Reaktion des Gegenüber
    • Beispiel: „Ich sage Nein zu einer zusätzlichen Aufgabe, die ich nicht übernehmen möchte.“
  3. Reflektiere deine Grenzen:
    • Habe ich meine Wünsche ausprobiert und wie hat es sich angefühlt
    • Wenn es andere Grenzverletzungen gab, notiere sie in deinem Tagebuch
    • Überlege, welche Grenzen und Werte in dieser Situation überschritten wurde oder gefehlt haben.
  4. Formuliere deine Grenze:
    • Überlege, ob du deinen Plan ändern willst und die neue Erfahrung nutzen möchtest
    • Wenn ja, schaffe eine Idee wie du beim nächsten Mal mit der Verletzung um gehen möchtest. (Das ist für die 6 Tage nur sinnvoll, wenn die Situation kurzfristig wieder vorkommt)
  5. Dokumentiere deine Erfahrungen:
    • Wie hat sich das Setzen der Grenze angefühlt?
    • Wie hat dein Gegenüber reagiert?

Du hast jetzt 6 Tage deine Grenzen ausprobiert.

Tagebucheintrag

Trage in dein Tagebuch ein wie sehr es dich aufgeregt und wie gut es sich angefühlt hat.
Veränderungen sind immer aufregend. Es ist ein Weg ins Unbekannte. Deshalb ist es so wichtig, sich die positiven Dinge zu merken und die negativen zu prüfen.

Wenn beim Grenzen setzen etwas schief gegangen ist, kann es sein, dass

Man kann innerhalb eine so kurzen Challenge nicht alles herauszufinden und eine Lösung konstruieren.
Es gibt Gefühle, die basieren auf richtig alten Mustern oder sind so ineinander verschachtelt, dass da nur fachliche Reflexionen helfen. Deshalb ist es sehr wichtig dieses im Tagebuch festzuhalten und in einem späteren Coaching zu bearbeiten.

Highlight (Tag 7): Eine größere Grenze setzen und klären

Tagebucheintrag

Du hast in diesem Kapitel der Challenge deine Werte und Grenzen gesteckt. Du hast sie in Situationen ausprobiert und hast Erfahrungen gemacht. Probiere jetzt zum Abschluss dieses Kapitels dich mal aus.

Es ist wie in den Tagen davor, es muss nichts perfekt sein. Es geht um ausprobieren sich in dieses Neuland vorzuwagen.

Die Beispiele in der nächsten Übersicht beziehen sich auf eine nahestehende Person. Du kannst dir aber auch gut ein Beispiel nehmen, wie du im Unternehmen mit einer Situation umgehen willst.

Die Vorbereitung:

  1. Identifiziere eine wichtige Grenze:
    • Gibt es eine Situation oder Beziehung, in der deine Grenzen oft überschritten werden?
    • Beispiel: „Ich werde regelmäßig um Hilfe gebeten, obwohl ich mich überlastet fühle.“
  2. Bereite dich vor:
    • Notiere, welche Grenze du setzen möchtest und warum sie für dich wichtig ist.
    • Überlege, wie du sie klar und respektvoll kommunizieren kannst.
  3. Setze die Grenze:
    • Sprich mit der betroffenen Person oder handle entsprechend.
    • Beispiel: „Ich unterstütze dich gerne, aber ich brauche vorher eine klare Abgrenzung, damit ich meinen eigenen Aufgaben nachkommen kann.“
  4. Reflektiere:
    • Wie hat sich das Setzen dieser Grenze angefühlt?
    • Welche Auswirkungen hatte es auf dich und dein Gegenüber?
    • Welche neuen Erkenntnisse hast du über deine persönlichen Grenzen gewonnen?
    • Wie hat das Setzen von Grenzen dein Selbstvertrauen beeinflusst?
    • Welche Grenzen möchtest du zukünftig konsequenter achten?

Grenzen zu ziehen bedeutet, dich selbst zu respektieren – ein wichtiger Schritt auf deinem Weg zu mehr Selbstvertrauen. Wiederhole das Kapitel so lange, bis du das Gefühl hast, du kannst gut auf deine Grenzen achten.